Phishing Das Kunstwort "Phishing" entstand aus den Begriffen "Password" und "Fishing", also das Abfischen von online eingegebenen Passwörtern. Die Anti-Phishing Working Group (APWG) hat im Dezember 2005 ihrem Bericht entsprechend weltweit 7.197 Phishing-Webseiten gezählt, die in betrügerischer Absicht eingerichteten Webseiten waren dabei im Durchschnitt etwa 5 Tage lang erreichbar. Laut der Studie "eCommerce 2006" beteiligten sich Anfang 2006 bereits 71,5% der deutschen Internet-User am Online-Banking ihrer jeweiligen Hausbank. Phishing setzt ein erhebliches kriminelles Potential voraus und ist ein offensichtlich extrem einträgliches Geschäft, das weltweit tief in bestehende mafiöse Strukturen eingebunden ist. Wer sich leichtsinnig mit Phishern anlegen will, riskiert durchaus Leib und Leben.Online-Banking ist auf zwei verschiedene Arten möglich:
Die eMails enthalten dann scheinbar extrem dringende Hinweise über die baldige Schliessung des Kontos oder über dringend zu aktualisierende Kontodaten usw. Klickt der besorgte Bankkunde dann auf den in der Spam-eMail angegebenen Link, so wird er aufgefordert, dort alle seine Kontodaten samt geheimer PIN und bis zu 10 (!) seiner ebenfalls geheimen TAN-Nummern einzugeben. Hat er dies getan, dann landen die Eingaben natürlich nicht bei seiner Hausbank, sondern bei den Phishern. Diese wiederum arbeiten unter Hochdruck daran, das Konto so schnell wie möglich mit diesen Daten zu plündern. Das Geld kann aber nicht einfach auf ein eigenes Konto der Phisher überwiesen werden, weil Bankkonten weltweit nur nach Vorlage gültiger Ausweisdokumente eingerichtet werden und die Betrüger sofort zu ermitteln wären. Zur Bewahrung ihrer Anonymität benötigen die Phisher also Mittelsmänner (siehe Kommentar zum bundesweit zweiten Urteil gegen Phishing-Geldwäsche). Um diese anzuwerben, verschicken sie zusätzliche Spam-eMails mit Stellenanzeigen zum "Finanz-Kurier" (natürlich sind auch andere Bezeichnungen möglich). Wie in einem Artikel der Arbeitsgruppe Identitätsschutz im Internet vom 09.11.2006 nachzulesen ist, erschien am 14.10.2006 sogar in der F.A.Z. eine gleichlautende Stellenanzeige. Hier können sich alle erwachsenen Personen bewerben, die ein eigenes Konto, eMail und Telefon haben. Gelockt werden sie mit hohen Provisionen und guten Karrierechancen.Den "Finanz-Kurieren" werden nun nach telefonischer Voranmeldung per Online-Banking hohe Geldbeträge von denjenigen Konten überwiesen, deren Kontodaten zuvor in das gefälschte Internet-Formular eingegeben wurden. Sobald das Geld auf dem privaten Konto der "Finanz-Kuriere" angekommen ist, muss es nach Einbehalten der versprochenen Provision so schnell wie möglich als Bargeld-Transfer per "Western Union Bank" meist nach Russland übertragen werden. Bei Bargeld-Transfers teilt die Bank dem Einzahlenden einen geheimen Transaktions-Datensatz mit, den der Empfänger bei der Auszahlung dann vorlegen muss. Der "Finanz-Kurier" übermittelt diese Daten also an die Phisher, damit diese das Geld bequem in bar und ohne Angabe ihrer Identität in Russland abholen und damit verschwinden können. Nach wenigen Tagen wird der Betrug aufgedeckt und der ursprüngliche Eigentümer erstattet Anzeige bei der Polizei. Der vermeintliche "Finanz-Kurier" wird wg. Betrugs und Geldwäsche angezeigt und erleidet zum Verlust des überwiesenen Geldes auch noch eine empfindliche Geldstrafe. Immer mehr Banken führen die indexierte TAN (iTAN) ein, bei der für jede Transaktion eine genau vorgegebene TAN-Nummer aus der TAN-Liste verwendet werden muss. Die von Phishern erbeuteten TANs werden nutzlos, wenn nicht gleichzeitig auch deren Index-Nummer aus der TAN-Liste bekannt ist. Phishing bleibt eine sehr ernsthafte Bedrohung, auch wenn sich die angegriffenen Ziele mehr und mehr auf kleinere und gezielte Opferkreise konzentrieren. Der folgende
Auszug aus einem Artikel des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie SIT bestätigt dies:
Die Leiterin des Fraunhofer-Instituts für Sichere Informationstechnologie, SIT, in Darmstadt, Professor Claudia Eckert, hält Phishing für das derzeit drängendste IT-Sicherheitsproblem. "Phishing ist, so trivial sich das anhört, immer noch das Problem Nummer eins, besonders für Banken", sagte Eckert im Interview mit Technology Review online. "Der Benutzer als Endglied der Kette agiert da immer noch ein bisschen naiv." Diese Naivität betreffe aber nicht nur den Privatnutzer, erklärte Eckert, auch das "sagenumwobene Abhören von WLAN vom sprichwörtlichen Parkplatz vor der Haustür" sei nach wie vor ein Problem. "Das ist keineswegs Schnee von gestern; das ist etwas, das hohe Konjunktur hat. Obwohl man weiß, dass es Sicherheitstechnologien gibt, mit denen man hier vorankommen könnte, setzen über 50 Prozent der Unternehmen diese Technologien nicht ein, weil sie nicht wissen, wie man das macht, weil sie denken, bei ihnen wäre nichts zu holen, oder weil sie dann doch wieder nicht genau wissen, was damit möglich ist."Am 20.03.2006 haben Interpol und Microsoft eine breit angelegte Initiative gegen Phishing gestartet. Weltweit wollen sie gegen Trickbetrüger vorgehen, die über das Internet Zugangsdaten für Online-Bankkonten stehlen oder andere sensible Daten von Netzanwendern ausspähen. Betrüger sind erfinderisch: Am 21.03.2006 ist die erste Phishing eMail aufgetaucht, in der auf ein scheinbares Gewinnspiel der Postbank hingewiesen wird. Nach der ausführlichen Beschreibung aller Preise (Auto, Laptop, DigiCam, usw.) wird der Kunde gebeten, seine Kontonummer, PIN und eMail-Adresse zur Anmeldung am Gewinnspiel einzutragen. Klar, dass die Daten nicht bei der Postbank, sondern bei Phishern landen. Im Jahre 2004 entstanden durch Identitätsdiebstahl laut einer Meldung vom 02.04.2006 bereits 6,4 Milliarden US-Dollar Schaden. Die Hälfte der Fälle geht auf das Konto von Kreditkartenmissbrauch, etwa 25% davon wurden Opfer von erfolgreichem Phishing. Eine Meldung vom 09.09.2006 erläutert den Beschluss des OLG Hamburg vom 07.07.2006, nach dem der Kontoinhaber das nach erfolgreichem Phishing auf sein Konto überwiesene und anschließend zum Bargeld-Transfer an die Phisher wieder abgehobene Geld an seine Bank zurückzahlen muss. Das Gericht hat die eingelegte Berufung am 02.08.2006 zurückgewiesen. Eine weitere Meldung vom 27.09.2006 berichtet über die Verurteilung eines 46 Jahre alten Mannes aus Meersburg (Deutschland), der aufgrund seiner Tätigkeit als "Finanzagent" mit der Zahlung von 30 Tagessätzen bestraft wurde. Zitat: "Unbekannte hatten sich mit so genanntem Phishing unberechtigt Zugang zu Bankdaten der Geschädigten verschafft und damit Geldbeträge auf das Konto des Verurteilten überwiesen. Dieser sollte das Geld abzüglich einer Provision von 8,5 Prozent bar abheben und über Western Union ins Ausland transferieren." Die Aktion wurde durch rechtzeitige Kontensperrung der betroffenen Bank rechtzeitig vereitelt. Neue Phishing-Dimension: Telefonbanking ("Vishing") Viele Bankkunden meiden aus Angst vor Betrug das Internet-Banking und benutzen stattdessen das Telefonbanking. Doch auch hier kann sich niemand mehr sicher sein. Eine entsprechende Meldung vom 26.04.2006 weist darauf hin, dass Visher (Voice-Phisher) per Spam scheinbare Telefonbanking-Nummern verbreiten, die per Internet-Telefonie (VoIP) auf gehackte Server verweisen und dadurch genauso schwierig aufzufinden sind, wie herkömmliche Phishing-Seiten. Wer eine solche Nummer anruft, wird den folgenden Sprachcomputer kaum vom echten Telefonbanking seiner Hausbank unterscheiden können. Die Preisgabe von PIN und TAN führt auch hier zum Abräumen des Kontos durch die Phisher. Visher benutzen aber nicht nur Spam, sondern auch fingierte Telefonanrufe mit einer Bandansage zum Rückruf einer betrügerischen Telefonbanking-Nummer.Eine weitere Meldung vom 15.05.2006 zeigt, dass die Phisher mit neuen Phishing-Ideen nachziehen. Anstelle von PIN und TAN wird jetzt die für das Telefonbanking benötigte fünfstellige Telefon-Geheimzahl erfragt. Gibt ein Kontoinhaber diese Daten preis, so können die Phisher so lange "auf dem Konto schalten und walten, bis dem Opfer die Manipulation auffällt". Lücke im eBay-Bezahldienst Paypal ausgenutzt In einer Meldung vom 19.06.2006 wurde berichtet, dass Phisher eine Lücke im Code der von eBay betriebenen Paypal-Seite entdeckt und für kurze Zeit ausgenutzt haben. BKA: Internet-Betrüger haben neue Methoden zur Kontenplünderung In einer Meldung vom 20.10.2006 weist das BKA darauf hin, dass Phisher eine neue Methode zur Geldwäsche etabliert haben: "Die Täter gingen zum Schein auf kostspielige Geschäfte ein, um wenig später die geleisteten Vorauszahlungen etwa für Gebrauchtwagen oder Ferienwohnungen zurückzuverlangen", berichtete das BKA am Freitag. "Typisch seien auch große Bestellungen hochwertiger Waren, die später storniert oder auf ein Minimum reduziert würden. Gemeinsames Ziel der Geschäfte ist die Geldwäsche, bei der die arglosen Geschäftspartner zu unfreiwilligen Mittätern werden könnten. Die Vorauszahlungen stammten regelmäßig von per Phishing ausgespähten Konten ahnungsloser Privatleute, die nach Entdeckung des Schadens natürlich ebenfalls ihr Geld zurückverlangten. Wenn der Verkäufer dann schon auf die Stornierung samt Bar-Überweisung ins Ausland eingegangen ist, bleibt er möglicherweise auf dem Schaden sitzen." Erfreulicherweise finden die Phisher immer weniger Opfer, die sich als Finanzagenten zur Geldwäsche anwerben lassen. "Phlash": Neuer Trick umgeht Phishing-Erkennung im Internet Explorer 7 In einer Meldung vom 03.01.2007 wird berichtet, dass Phisher ihre bisher durch die neue Erkennungssoftware im Internet Explorer 7 identifizierbaren Eingabefelder neuerdings durch nicht erkennbare Flash-Objekte ersetzen: "Phisher haben sich eine neue Masche ausgedacht, um herkömmliche Anti-Phishing-Toolbars und Echtzeitanalysen, wie sie etwa der Internet Explorer 7 bietet, auszutricksen. Dazu fragen die Betrüger Log-in-Daten nicht mehr über herkömliche HTML-Formulare ab, sondern setzen stattdessen auf Flash-Elemente, in die das Opfer seine Daten eingeben soll. Bislang untersuchen Anti-Phishing-Tools allenfalls HTML- und JavaScript-Code in einer Seite daraufhin, ob er Phishing-Merkmale aufweist. Bei Flash ist dies bislang noch nicht möglich. Zwar funktioniert auf diesen Flash-Seiten nur das Eingabeformular, während sich alle anderen Links nicht anklicken lassen, dennoch sind die bereits aufgetauchten Seiten so gut gemacht, dass einige Anwender darauf reinfallen werden. Einzige Abhilfe ist, einen Flash-Blocker zu installieren, der verhindert, dass Flash-Filme automatisch starten, etwa das Plug-in FlashBlock für den Firefox."Universelles "Phishing-Kit" für Betrüger In einer Meldung vom 11.01.2007 wird über ein Phishing-Kit berichtet, das "Betrügern bei der Entwicklung von automatisierten Angriffen auf Anwender zum Klau von Log-in-Daten sowie PIN und TANs" hilft: "Mit diesem Angriff ließe sich auch das mittlerweile von einigen Banken eingeführte iTAN-Verfahren aushebeln: Meldet sich das Opfer mit seiner PIN auf der vermeintlich echten Seite an, so verwendet die Phishing-Seite diese in Echtzeit zum Log-in - allerdings bei der echten Bank. Versucht das Opfer nun eine Überweisung anzustoßen, so tut es die betrügerischen Seite ihm gleich - wiederum bei der echten Bank. Das Opfer erhält in diesem Fall von der Bank aber keine Nachfrage nach einer iTAN. Stattdessen fragt die Bank die Phishing-Seite nach der iTAN xyz für ihren Überweisung. Da sie die nicht kennt, gaukelt sie nun ihrem Opfer eine Nachfrage der Bank vor. In der Annahme, die Nachfrage sei für seine Überweisung, tippt das Opfer die gewünschte iTAN ein, die anschließend auf der Phishing-Seite landet, die damit die eigene Überweisung durchführen kann." © 2006-2007 impact e.V. |
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