Stockspam (Aktien-Spam)Die Geldgier vieler Menschen wird von Spammern seit Anfang 2006 wegen der Bereitschaft zu Aktienspekulationen ausgenutzt.Das Grundprinzip von Aktien ist schnell erklärt: Eine Firma geht mit einer großen Menge an Aktienpapieren mit bestimmtem Nennwert an die Börse, wo diese dann von interessierten Aktionären gehandelt werden können. Der Börsengang bringt dieser Firma sehr viel Geld ein, da die Herausgabe von Aktienpapieren zum Herausgabezeitpunkt praktisch dem Drucken von eigenem Geld entspricht (Aktien werden natürlich nur noch elektronisch gehandelt und nicht mehr auf Papier gedruckt). Einmal an der Börse notiert, werden Aktienpapiere dann national oder international gehandelt. Der Kaufpreis bzw. Wert einer Aktie wird nach der Herausgabe nicht mehr vom ursprünglichen Nennwert, sondern vom Bedarf am Markt bestimmt. Je umsatzträchtiger eine Firma ist, umso begehrter wird die Aktie, und umso höher steigt der Preis. Umgekehrt sinkt der Preis einer Aktie natürlich auch, wenn es einer Firma schlechter geht. Der Börsenkurs wird dabei von der Aktienbörse errechnet, bei der die Aktie gehandelt wird. Geht es einer börstennotierten Firma gut, dann wird diese einmal jährlich eine Aktiendividende (vergleichbar den Zinsen bei einem Sparbuch) ausschütten. Eine wichtige Rolle spielt also auch die Anzahl an Aktienanteilen, die ein Aktionär besitzt. Die Höhe der Dividende wird vom Vorstand der Firma festgelegt. Die Spammer besitzen natürlich keine eigenen börsennotierten Firmen und werden erst recht keine eigenen Aktien auf dem Markt herausgeben. Sie konzentrieren sich vielmehr auf Firmen mit kleinem Umsatz und entsprechend niedrigem Aktienwert (sog. Penny-Stock). Von diesen Aktien kaufen sie dann vorsichtig eine große Menge ein. Dann verbreiten sie weltweit Spam in Milliardenauflage und werben mit großmundigen Aussagen für den bevorstehenden rasanten Anstieg dieser Aktie. Es ist erstaunlich, wie viele Aktionäre weltweit diesen völlig haltlosen Aussagen glauben und entsprechende Anteile kaufen. Durch die weltweite Aktienkäufe steigt der Kurs nun tatsächlich an - aber nur solange, bis die Spammer ihren Eigenanteil an Aktien zum nun viel höheren Wert verkaufen. Der Aktienkurs wird daraufhin natürlich ins Bodenlose sinken - zum Leidwesen der weltweiten Aktionäre! Die US-Börsenaufsicht (SEC) setzte derart per Spam beworbene "Pink Sheet" Aktien am 09.03.2007 für zehn Handelstage aus (siehe Nachrichtenmeldung). Die bis zu diesem Zeitpunkt täglich angestiegene Stockspam-Flut wurde damit auf einen Schlag für mehrere Monate empfindlich getroffen. Die Spammer blieben selbstverständlich nicht untätig, sondern sind auf andere, nicht der US-Börsenaufsicht unterstellte Aktienbörsen ausgewichen. Dort haben sie ihr Spiel bereits von neuem begonnen.Der zu Beginn in einfachen Text-eMails verbreitete Stockspam wurde schon kurze Zeit später durch schwerer von Spamfiltern erkennbare Bilder ersetzt. Anfang 2007 versandten die Stockspammer Spam mit den ebenfalls bis dahin nicht von Spamfiltern untersuchten Dateierweiterungen PDF (Adobe Acrobat), XLS (Microsoft Excel), ZIP (komprimierte Dateiarchive) und ganz aktuell auch FDF (ebenfalls Adobe Acrobat). Den Stockspam packten sie dabei in den Anhang praktisch leerer eMails. Seit August 2007 wird Stockspam parallel zu den PDF-Anhängen in einfachen Text-eMails verbreitet. Um die bei Spammern gefürchteten Spamfilter auszutricksen, begannen diese im August 2007 damit, im Stockspam-Text Sonderzeichen (z.B. _+',*-) einzufügen. Obwohl der Text damit sehr schwer lesbar wird, spielen Neugierde und Geldgier vieler Empfänger den Spammern weiterhin pausenlos neue Opfer zu. Wie bei allem Spam lebt dieser nur von der Naivität und Geldgier der Empfänger. Bliebe Spam weltweit völlig unbeachtet, dann würde er von selber aufhören. Dass dem nicht so ist, beweist die monatlich ansteigende Spam-Flut. In einer in englischer Sprache gehaltenen Pressemitteilung der U.S. Securities and Exchange Commission (SEC) wird am 09.07.2007 berichtet, dass sich auf mehreren Bankkonten zweier Stockspammer im Zeitraum vom Mai 2005 bis Dezember 2006 insgesamt 4,2 Mio US-$ angesammelt hatten. © 2006-2007 impact e.V. |
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